Aus der Rubrik “Lach, wenn Du kannst ;-)

Während der Dreharbeiten zu BALL OF FIRE traf Goldwyn Wil-
der einmal im Studio und bot ihm an, zusammen mit ihm einen
großen Film zu machen. Wilder solle, sobald er eine Idee hätte,
zu ihm ins Office kommen. Wilder ging also ein paar Tage spä-
ter zu ihm und sagte: »Mr. Goldwyn, ich glaube, ich habe da
was für Sie.« Dann schmeichelte ihm Wilder ein wenig, indem
er sagte, es handle sich um ein Sujet, das nur jemand richtig zu
schätzen wisse, der nicht allzusehr nach dem Publikumsge-
schmack schiele. »Aber Sie«, fuhr Wilder fort, »Sie haben
doch einen Film mit dem Dirigenten Leopold Stokovsky ge-
macht - Sie müßten dafür genau der Richtige sein.«
Goldwyn sah Wilder mißtrauisch an. »Was ist das für ein
Stoff?«
»Ein Film über das Leben von Nijinsky.«
Goldwyn fragte: »Wer ist das, dieser Nijinsky?«
Wilder fing also an zu erzählen, daß Nijinsky ein armer
Bauensohn gewesen sei, der davon geträumt habe, ein gro-
ßer Ballettänzer zu werden. Und er sei ein großer Tänzer ge-
worden, denn für ihn habe niemand Geringeres als Igor Stra-
winsky Ballettmusiken geschrieben, und er habe Debussys
>Prelude ä l'apres-Midi d'un faune< für die Tanzbühne chore-
ographiert.
Darauf Goldwyn: »Und die Geschichte?«
Wilder erzählte also, wie Diaghilew den jungen, schönen,
kräftigen Bauernjungen in der Ballettschule entdeckt habe.
»Wissen Sie, wer Diaghilew ist?« fragte er Goldwyn.
»Keine Ahnung«, sagte Goldwyn.
Diaghilew sei der große Impresario des berühmten russi-
schen Balletts gewesen. Er habe den Jungen gesehen und sich
sofort in ihn verliebt.
Goldwyn unterbrach Wilder: »Sagen Sie das bitte noch ein-
mal! Diaghilew, ist das seine Frau?«
Darauf Wilder: »Nein, ein Mann.«
Darauf Goldwyn: »Was ist das für eine Geschichte. Zwei
Männer, zwei Tunten? Hören Sie auf. Wilder!«
Wilder versuchte, ihm zu erklären, daß es sich um mehr als
nur um eine Liebesgeschichte handle. Er erklärte ihm, wie
Diaghilew Nijinsky zum größten Ballettstar der Welt machte.
Wie dann die Tragödie begonnen habe. Als nämlich Nijinsky
sich auf einer Südamerika-Tournee in eine Tänzerin aus der
Truppe verliebt und sie in Buenos Aires geheiratet habe. Als
Diaghilew in St. Petersburg davon hörte, sei er außer sich ge-

raten. Als die Truppe zurückkam, habe er dem Tänzer eine
schreckliche Szene gemacht und gedroht, ihn zu vernichten.
Und dann habe Nijinskys Abstieg begonnen. Schließlich sei er
verrückt geworden.
Goldwyn unterbrach ihn: »Moment, Moment! Bisher haben
wir zwei Tunten, von denen eine auch noch verrückt wird! Dar-
aus soll ich einen Film machen? Ich habe eine Frau, die ich liebe
und die ich ernähren muß. Und ich habe einen Ruf zu verlieren!
Hören Sie auf. Wilder!«
Wilder bat ihn, sich die Geschichte doch erst einmal weiter
anzuhören. Wie Nijinsky eines Tages in das beste Sanatorium
der Schweiz gebracht worden sei. Und wie er dort dem Wahn
verfallen sei, er wäre ein Pferd.
Goldwyn starrte Wilder entgeistert an: »Ein Pferd?!«
»Ja«, sagte Wilder, »ein Pferd. Morgens, wenn die Zellen auf-
geschlossen wurden, kam er heraus in den Garten und galop-
pierte fröhlich herum.«
Jetzt war Goldwyns Geduld am Ende. »Ein Pferd, das schwul
ist und herumgaloppiert! Hören Sie mit dieser blödsinnigen Ge-
schichte auf! Sie stehlen mir bloß meine Zeit!«
Wilder stand auf und ging hinaus. Im Hinausgehen sagte er
zu Goldwyn: »Also gut! Wenn Sie ein Happy-End wollen, Mr.
Goldwyn, da hätte ich eine Idee. Nijinsky denkt nicht nur, daß
er ein Pferd ist, er gewinnt auch noch das Kentucky-Derby.«
Wilder sah, wie Goldwyn nach einem Aschenbecher auf sei-
nem Tisch griff und zielte. Er hatte gerade noch genug Zeit, die
Tür hinter sich zu schließen.

 

 
 

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