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Belletristik-Preis für "The Hours" Michael Cunningham hat den begehrten Pulitzer-Preis für seinen Roman "The Hours" (Farrar Straus Giroux, 1998) erhalten. Es ist erst sein drittes Buch, vor zwei Wochen wurde er dafür bereits mit dem PEN/Faulkner-Award ausgezeichnet. Cunningham, der von der Los Angeles Times zu den besten modernen Autoren gezählt wird, nimmt in "The Hours" Anleihen an Virginia Woolfs Klassiker "Mrs. Dalloway" und erzählt eine Geschichte über Liebe, Hoffnung und Verzweiflung.
"The Hours"
Der Roman läßt Virgina Woolfs letzte Lebenstage, bevor sie 1941 Selbstmord beging, Revue passieren und verknüpft die Geschichte mit dem Leben von zwei amerikanischen Frauen, die zu unterschiedlichen Zeiten im Amerika des 20. Jahrhunderts leben bzw. lebten. Die eine ist Clarissa Vaugham, eine erfolgreiche Verlegerin im New York von heute, die andere ist Laura Brown, eine Hausfrau im Kalifornien der Nachkriegszeit, die in einer unglücklichen Ehe lebt.
So verschieden die Leben der beiden Frauen auch sein mögen, alle sind sie in irgendeiner Weise mit Virginia Woolfs Erzählung "Mrs. Dalloway", die 1925 geschrieben wurde, verbunden. "The Hours" ist einerseits eine Hommage an die große Schriftstellerin Virgina Woolf und andererseits eine mit Eleganz und Feinfühligkeit erzählte Reise durch das 20. Jahrhundert.
Literaturprofessor Michael Cunningham
Cunningham, Michael: The Hours. - New York : Farrar, Straus & Giroux, 1998
dt.: Cunningham, Michael: Die Stunden. / Aus dem Amerikanischen von Georg Schmidt. - München : Luchterhand, 2000 ISBN 3-630-87061-9
"Wir geben unsere Partys; wir verlassen unsere Familien, um in Kanada allein zu leben; wir plagen uns und schreiben Bücher, die die Welt nicht verändern, trotz unserer Gaben und unentwegten Bemühungen, unserer hochfliegenden Hoffnungen. Wir führen unser Leben, verrichten unsere Tätigkeiten, und dann schlafen wir - so einfach und so gewöhnlich ist das. Ein paar springen aus dem Fenster, ertränken sich oder nehmen Tabletten; ein paar mehr sterben bei Unfällen; und die meisten von uns, die breite Masse, werden langsam von irgendeiner Krankheit verzehrt oder, wenn wir großes Glück haben, vom Zahn der Zeit. Und es gibt nur diesen einen Trost: eine Stunde hie und da, in der es uns wider alle Wahrscheinlicheit und Erwartung so vorkommt, als schäume unser Leben über und schenke uns alles, was wir uns je vorgestellt haben, obgleich jeder, Kinder ausgenommen (und vielleicht sogar die), weiß, daß auf diese Stunden unausweichlich andere folgen werden, die weitaus dunkler sind und schwerer. Dennoch ergötzen wir uns an der Stadt, dem Morgen; wir erhoffen uns, vor allem anderen, mehr davon."
Momentaufnahmen. Drei Tage im Leben von drei Frauen. Virgina Woolf, im Jahre 1923, hat gerade begonnen ihren Roman "Mrs. Dalloway" zu schreiben. Am gleichen Tag bereitet sie, wie Mrs. Dalloway im Roman, eine Party vor.
Auch die schwangere Laura Brown bereitet 1949 eine Party vor - für ihren Mann, der erst vor einigen Jahren aus dem Krieg heimgekehrt ist. Zusammen mit ihrem Sohn backt sie einen Kuchen. Als sie alle hausfraulichen Pflichten erfüllt hat, flüchtet sie in ein Hotel und liest "Mrs. Dalloway".
Clarissa Vaughan geht Blumen einkaufen, an einem sonnigen Junimorgen in den 90er Jahren. Am Abend wird sie eine Party geben, für ihren aidskranken Freund Richard, der gerade einen bedeutenden Literaturpreis für seine Lyrik erhalten hat. Eine alte Jugendliebe verbindet sie - und er hat ihr den Spitznamen "Mrs. Dalloway" gegeben, da Clarissa ihn an die Romanfigur erinnert.
Momentaufnahmen. Drei Frauen erinnern sich, denken nach, verabscheuen ihre hausfraulichen Pflichten, lieben ihre Familie, ihre Freunde, sorgen sich um ihre Kinder. Sie erleben Momente des Glücks, der Freude - etwa beim Schreiben oder Lesen, um kurz danach wieder von der Vergänglichkeit des Lebens eingeholt zu werden. Krankheit, Depression und Tod sind in ihrem Leben präsent und verwischen nur all zu schnell die Momente des Glücks.
All diese flüchtigen Momente fängt Michael Cunningham in seinem Roman ein. Er schildert ihre Gedanken über das Leben und den Tod. Er zeigt ihre Widersprüche auf, ihre Hoffnungen, ihre Illusionen. Dabei hat er sich eng an die grosse Vorlage gehalten (etwa bei der Übernahme von bestimmen Namen), dennoch schafft er etwas neues - es gelingt ihm, auf wunderbare Weise, die Schicksale der drei Frauen miteinander zu verweben. Doch dieser Roman ist noch mehr - es ist eine wunderschöne, lyrische Liebeserklärung an die Literatur.
"Die Stunden" ("The Hours") war der ursprüngliche Titel von Virgina Woolfs Roman "Mrs. Dalloway", der 1925 erschienen ist.
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